Was hat diese Plattform, was wir Eltern nicht haben? Wenn man nicht ab und zu den Stecker zieht oder dem pubertierenden Kind den Abwasch aufdrückt, ist man dieses definitiv los. Denn Jappy ist magnetisch, magisch, süchtig machend. Auch ich surfe gern durch diverse Gästebücher und finde es sehr befremdlich, immer mal wieder pornografische Bildchen und kleine Animationen zu sehen.
Die Kritik gab es auch schon fürs SchülerVZ. Unsere minderjährigen Kinder sind nicht wirklich vor Schweinskram geschützt. Was bleibt mir da als Mutter? Absolutes Jappy-Verbot? Oder ein Fake-Account mit dem ich dann unentdeckt kontrollierend durch die Welt meiner Kinder surfe und vielleicht auch Dinge entdecke, die ich nicht wissen sollte oder nicht wissen will?
Jappy wird als das Kommunikationsmedium genutzt unter den Jugendlichen-noch vor dem Handy würde ich behaupten. Denn die Stimme einzusetzen würde zu einfach sein und Beleidigungen oder Liebeserklärungen wären nicht so schnell ausgesprochen wie mal eben getippt.
Auch erfährt man, dass die 14jährige Jenny gleich mal einen saufen geht und für die Schlampe, die ihren Freund anfassen tut, hätte sie den Mittelfinger zum Zeigen und die Faust zum Fressen. Sprüche wie: Mein Stolz f**** Deinen Style oder Spucke nie auf den Boden, es gibt immer jemanden, der es im Gesicht eher verdient hätte schüchtern mich ehrlich gesagt ein. Meine Augen werden groß wie Wagenräder, wenn ohne große Hemmschwelle in den Gästebüchern beleidigt wird, bis der Arzt kommt. Moralische Bedenken oder Grenzen gibt es nicht. In schönster Fäkalsprache und teilweise schlechtestem Deutsch wird sich gegenseitig angemacht und gedisst.
Jappy hat den Anschein einer Single-Börse und alle Merkmale für die Communities des Web 2.0! Es soll Freunde verbinden und eignet sich bestens zur Selbstdarstellung und Selbstvermarktung! Interessant, dass jedes einzelne Mitglied statistisch gesehen 160 Seitenimpressionen pro Tag hat, also extrem viel Zeit auf den Jappy-Seiten verbringt. Es werden Bilder hochgeladen, es wird bewertet, gemailt, kleine Geschenke oder Emotionen verteilt. Es gibt Foren und Coms zu allen möglichen Themen.
Da sind wir dann bei den positiven Seiten der Jappy-Gemeinde. Die Kids lernen tatsächlich etwas Html und sind sehr erfinderisch und kreativ bei der Gestaltung ihrer Seiten. Ich habe keine Ahnung, ob Jappy mal in der Schule besprochen wurde. In meinen Augen ein ideales Thema, um den Schülern mal Aufmerksamkeit abzuringen.
Allerdings sehe ich einfach viele Nachteile, geschriebenes wird einfach zu sehr verinnerlicht, kann die Laune tagelang trüben. Cyber-Mobbing wird sehr unterschätzt. Teilweise wird zu viel Wert auf getipptes Gelaber gelegt-Jappy bietet enorm viele Möglichkeiten, persönlich zu beleidigen und Tränen und Wut auszulösen. Die Kids vergessen, dass es eine reale Welt gibt, die nicht wie Web 2.0 funktioniert. Da steht man sich gegenüber und lernt eher die Grenzen des anderen kennen und zu tolerieren.
Nach wie vor hoffe ich auf eine Phase meiner Tochter und bleibe in Kontakt mit ihr, so dass sie nicht völlig in ihrer Jappy-Manie versinkt. Und ein kontrollierter Umgang mit der Online-Zeit hat noch keinem geschadet.
Andy schrieb am 16. Mai 2009 @ 22:13
Ich denke auch da solltest du einfach etwas Gedult haben, dann wird es bestimmt wieder besser.